Bündner Chardonnay: Vom illegalen Rebberg an die Weltspitze
- 11. Juni
- 2 Min. Lesezeit
Wer heute durch die Rebberge von Malans spaziert, ahnt kaum, dass eine der grössten Erfolgsgeschichten des Schweizer Weinbaus einst mit einem Verstoss gegen die Vorschriften begann.
An der diesjährigen London Wine Fair wurde der Unique Chardonnay Malans 2024 der Domaine Donatsch in die Liste der zehn besten Chardonnays der Welt aufgenommen. Damit steht ein Wein aus der Bündner Herrschaft plötzlich auf Augenhöhe mit renommierten Regionen wie Burgund, Champagne, Margaret River oder Central Otago.
Für die Schweizer Weinwelt ist dies weit mehr als nur eine weitere Auszeichnung.
Der Chardonnay, der nie hätte wachsen dürfen
Die Geschichte beginnt vor rund 50 Jahren.
Damals pflanzte Thomas "Thomi" Donatsch in Malans Chardonnay-Reben – obwohl die Sorte in der Schweiz noch gar nicht zugelassen war. Die Behörden forderten ihn auf, die Reben wieder auszureissen. Doch Donatsch war überzeugt, dass Chardonnay perfekt in die Bündner Herrschaft passen würde. Er weigerte sich mit dem Kommentar, dass er ihnen die Spitzhacke und die Gummistiefel zur Verfügung stellen würde, sie aber die Arbeit selbst verrichten müssten. Statt die Rebstöcke zu entfernen, bezahlte er lieber eine beachtliche Busse und hielt an seiner Vision fest. Heute gilt genau dieser Entscheid als Meilenstein des Schweizer Weinbaus.

Warum Chardonnay hier so erfolgreich ist
Die Bündner Herrschaft bietet Bedingungen, die Chardonnay liebt: sonnige Tage, kühle Nächte, trockene Föhnwinde und mineralische Böden. Daraus entstehen Weine mit Frische, Eleganz und bemerkenswerter Tiefe.
Bereits in unserem letzten Beitrag haben wir erwähnt, dass Chardonnay heute neben Pinot Noir und Completer zu den spannendsten Rebsorten der Region gehört. Die aktuelle Auszeichnung bestätigt diese Entwicklung eindrücklich.

Eine Familiengeschichte
Für Martin Donatsch besitzt der Erfolg eine besondere emotionale Bedeutung.
Der Jahrgang 2024 ist seinem Vater Thomas gewidmet, der im selben Jahr verstorben ist. Bereits der Jahrgang 2021 schrieb Geschichte und erhielt als erster und bisher einziger Schweizer Weisswein 100 Falstaff-Punkte.
Ein Erfolg für die ganze Schweiz
Der Erfolg reicht weit über Malans hinaus.
Noch immer werden rund 98 Prozent aller Schweizer Weine im Inland konsumiert. Entsprechend wenig bekannt sind sie im Ausland. Umso wichtiger sind Auszeichnungen wie diese. Sie zeigen, dass Schweizer Weine qualitativ längst mit den besten Weinregionen der Welt mithalten können.
Vor 50 Jahren wollte man die Chardonnay-Reben in Malans ausreissen.
Heute gehört ein Chardonnay aus Malans offiziell zu den zehn besten der Welt.
Manchmal braucht es eben Pioniere, die bereit sind, gegen den Strom zu schwimmen.
Unser Tipp: Wer die Bündner Herrschaft besucht, sollte neben Pinot Noir auch Chardonnay entdecken. Kaum eine andere Rebsorte zeigt so eindrücklich, wie viel internationales Potenzial in den Weinbergen zwischen Malans, Jenins, Maienfeld und Fläsch steckt.
Fragt nach unseren Raritätendegustationen mit Weinen aus unserem privaten Keller - es gibt einige Schätze zu entdecken, wie auch den Chardonnay UNIQUE 2024!




Kommentare